Martin Kiem

Aus Muri
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P. Martin Kiem

Martin (Matthias) Kiem (* 8. Februar 1829 von Algund; † 13. Juni 1903 in Gries)

Lebensdaten

Benediktinergymnasium Meran

Profess: 16. September 1849

Philosophie- und Theologiestudium an der Hausschule Gries

Priesterweihe: 15. Februar 1852 (in Trient)

Primiz: 22. Feburar 1852 in der Stiftskirche zu Gries[1]

Ämter

P. Martin Kiem

Lehrer in Sarnen: 1852–1881

Direktor Schultheater in Sarnen: 1860-1864

Präfekt des Konvikts in Sarnen: 1868–1872

Dekan in Gries: 1881–1894

Lektor in Gries: 1881–1890?

Brüderinstruktor in Gries: 1881–1890, 1902–1903

Bibliothekar in Gries: 1891–1893, 1894–1903

Archivar in Gries: 1894–1903

Subprior in Gries: 1897–1903

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Eltern: Johann Kiem († 10. August 1828) und Rosa Gulderer († 6. März 1883), Algund. [2]

Lebensbeschreibung

P. Martin Kiem

P. Martin stammte aus einer armen Bauernfamilie aus Plars bei Meran. Er absolvierte das Gymnasium in Meran und trat am 27. August 1847 zusammen mit seinem Klassenkameraden Anton Foffa (der spätere Abt Bonaventura Foffa) als Kandidat im Kloster Gries ein. Politische Unsicherheiten führten dazu, dass die Kandidaten Ihr Noviziat erst 13 Monate später beginnen konnten. Novizenmeister war der Jesuitenpater Josef Frei aus Muri.[3]

1852 kam er als Lehrer ans Kollegium Sarnen und unterrichtete bis 1881 hauptsächlich Latein, Deutsch und Geschichte aber auch Mathematik, Rhetorik und Religion. Nebenbei leistete er vielfach in der Seelsorge Aushilfe in Obwalden, namentlich im Melchthal, wo längere Zeit kein Kaplan war und in anderen Pfarreien des Kantons, in der Vakanz auf Pfarreien im Freiamt, in Wohlen und namentlich in Bünzen und Boswil. Nach erstelltem Konvikt 1868 wurde P. Martin Präfekt im Konvikt und führte, nachdem er in Engelberg sich in die marianische Kongregation hatte aufnehmen lassen, am 8. Dezember 1870 die Marianische Sodalität Sarnen ein. Zuerst waren die Studenten für den Eintritt nicht besonders begeistert, er musste mehrere einladende Reden dafür halten. Schliesslich kam eine Anzahl von Mitgliedern zustande, der sich dann im Laufe der Zeit die Mehrzahl der Studenten anschloss. P. Martin war der erste Präses der Sodalität (1870-1881) und schrieb auch gleich bei Errichtung derselben das Gebetbüchlein: „Die Marianische Sodalität in Sarnen“, Einsiedeln 1871.[4]

Seit den 1860er Jahren beschäftigte sich P. Martin mit Geschichte[5]. Diverse Publikationen zur Geschichte Obwaldens erschienen als Beilagen der Jahresberiche der Lehranstalt aber auch im "Geschichtsfreund". 1877 begründete er zusammen mit alt Landamann Franz Wirz, Pfarrer Joseph Ignaz von Ah aus Kerns, alt Regierungrat Wolfgang Windlin und Oberrichter Dr. Melchior Stockmann den Historisch-Antiquarische Verein, den heutigen Historischen Verein Obwalden. Er gilt als der Vater der obwaldnerischen Geschichtsforschung. In den gleichen Jahren begann er auch auf Anregung des Abtes Adalbert Regli mit den Recherchen zu einer Geschichte des Klosters Muri. Dies gestaltete sich besonders mühevoll, da kaum Vorarbeiten existierten, das Material durch die Klosteraufhebung 1841 zerstreut und teilweise schwer zugänglich war. Noch bevor seine beiden Bände zur Geschichte des Klosters Muri 1888, bzw. 1891 erschienen, war P. Martin Mitverfasser einer 1883 in den Quellen zur Schweizergeschichte publizierten kritischen Ausgabe der Acta Murensia. Theodor von Liebenau, Staatsarchivar in Luzern, bestritt den Wert der Acta als Geschichtsquelle und es kam zu einem wissenschaftlichen Streit, ähnlich jenem des 18. Jahrhunderts, als zwischen den Mönchen von Muri und St. Blasien Uneinigkeit über die historische Bedeutung der Acta herrschte.[6] P. Ambros Trafojer bezeichnete P. Martin als den bedeutendsten Wissenschaftler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. [7]

Die Hauptarbeit P. Martins aber war sein Engagement für die Schule in Sarnen.[8] Zusammen mit dem damaligen Rektor P. Augustin Grüniger war es vor allem sein Verdienst, dass die Kantonsschule in Sarnen den Anforderungen der Zeit angepasst und 1867/68 das Konvikt gebaut werden konnte. Unermüdlich hatte er dafür in der ganzen Schweiz Spenden gesammelt.[9] Als erster Präfekt betreute er das Konvikt für fünf Jahre.[10]

Ebenfalls gemeinsam mit Abt Augustin Grüniger hat er sich um die Fortexistenz des Frauenklosters Hermetschwil bemüht. Dieses wurde 1892 nach Habsthal in Sigmaringen (Deutschland) verlegt. P. Martin hatte in Hermetschwil oft die Exerzitien gehalten und war mit der Geschichte des Klosters vertraut. Seine Pläne für die Fortexitenz des Klosters Hermetschwil konnten unter Abt Augustin Grüniger verwirklicht werden.[11]

Als 1881 P. Bonaventura Foffa die Abtwürde übernahm, wurde P. Martin, sein einstiger Studiengenosse und Mitnovize zum Stiftsdekan ernannt. Dieses Amt musste er aus gesundheitlichen Gründen 1894 aufgeben. Bereits ab 1892 verwaltete er Bibliothek und Archiv in Gries. Ab 1897 versah er noch das Amt eines Subpriors. In diesen letzteren Funktionen verblieb er bis zu seinem Tod.

Für seine Verdienste um Kirche und Staat wurde er am 18. April 1902 mit dem Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet.[12] Der Umfang seiner wissenschaftlichen Arbeit ist bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass er sie eigentlich immer nebenbei betrieb, und zumal er bereits in seiner Sarner Lehrzeit immer wieder gesundheitliche Probleme hatte und in den letzten Jahren schwer unter seinen offenen Beinen und einer "hochgradigen" Zuckerkrankheit litt.[13] P. Martin starb 1903.

Ehrungen

  • 1877 Goldene Verdienstmedaille des Kantons Obwalden
  • 1902 Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens

Werke

  • Kiem, Martin, Älteste Geschichte der Pfarrei Sarnen, Sarnen 1866.
  • Kiem, Martin, Augustin Vigil Nagele und seine Zeit. Letzter Prälat des Augustiner-Chorherrenstiftes zu Gries bei Bozen (1790-1815), Innsbruck 1899.
  • Kiem, Martin, Bengalische Beleuchtung von Siegfried Abt's Aufruhr im Freiamt vom Januar 1841, Schwyz.
  • Kiem, Martin: Das Kloster Muri im Kanton Aargau, in: Quellen zur Schweizer Geschichte III/2, Basel 1883. (S.A. aus: Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri)
  • Kiem, Martin, Das Leben des hl. Martinus und Gebetbuch, Brixen 1898.
  • Kiem, Martin: Der selige Nikolaus von Flüe: ein Vorbild für alle Christen, Ingenbohl 1867 (3. Auflage Einsiedeln 1881).
  • Kiem, Martin: Die Alpenwirtschaft und Agrikultur in Obwalden seit den ältesten Zeiten, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz 21 (1866), 144-231 / teilweiser Zweitdruck in: Britschgi, Ignaz (Hg.), Vom inneren Reichtum. Kultur im Kloster - Armes reiches Land Obwalden, Obwaldner Schriften. Kulturpreis Federer-Stiftung 1992, 67-77.
  • Kiem, Martin: Die Bruderschaft in der Pfarrei Sarnen und Ablässe, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1871/1872, S. 3-12.
  • Kiem, Martin: Die Erstellung des Pensionates des seligen Nikolaus von Flüe in Sarnen, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1872/1873, S. 3-13.
  • Kiem, Martin: Die Geschichte Sarnens im 17. Jahrhundert, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1870/1871, S. 3-12.
  • Kiem, Martin: Die Geschichte Sarnens im 17. und 18. Jahrhundert, in: Jahresbericht über die Kantonal-Lehranstalt zu Sarnen für das Schuljahr 1873/1874, S. 3-16.
  • Kiem, Martin, Die Marianische Sodalität an der Lehranstalt des sel. Nikolaus von Flüe in Sarnen, Einsiedeln 1871.
  • Kiem, Martin, Die schweizerische Benediktiner-Congregation in den ersten drei Jahrhunderten ihres Bestehens. Festschrift zum dreihundertjährigen Jubiläum 1902, Solothurn 1902.
  • Kiem, Martin, Dr. Johann Baptist Dillier. Erster Stifter des Kollegiums von Sarnen, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Sekundarschule für das Schuljahr 1863/1864, S. 3-11.
  • Kiem, Martin, Entgegnung auf „die Anfänge des Hauses Habsburg“ von Dr. Theodor von Liebenau, Separatdruck aus: Adler: Jahrbuch des heraldisch-genealogischen Vereins 14, 1884, S. 108-117.
  • Martin Kiem: Geschichte der Benedictiner Abtei Muri-Gries. 2 Bde. Stans 1888 und 1891.
  • Kiem, Martin: Geschichte der Pfarrei Sarnen 1300-1400, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1866/1867, S. 3-13.
  • Kiem, Martin: Geschichte der Pfarrei Sarnen 1400-1500, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1867/1868, S. 3-11.
  • Kiem, Martin: Geschichte der Pfarrei Sarnen 1500-1600, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1868/1869, S. 3-15.
  • Kiem, Martin, Geschichte des Augustiner-Chorherren-Stiftes Au-Gries, Jenesien 1898 (unveröffentlichtes Manuskript).
  • Kiem, Martin: Historische Skizze über das Collegium in Sarnen, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1863/1864, S. 3-11.
  • Kiem, Martin: Inneres Leben und äussere Thätigkeit der Muri-Conventualen aud dem Zeitraume von 1684-1776, in: Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und Cistercienser-Orden 6, 1885, Band 1 S. 392-397, Band 2 S. 135-145 u. 342-348.
  • Kiem, Martin: Kulturhistorisches des 16. Jahrhunderts aus der Pfarrei Sarnen, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1869/1870, S. 3-9.
  • Kiem, Martin: Kurze Anleitung zum Auflösen arithmetischer und geometrischer Aufgaben in den Real- und unteren Gymnasialklassen, Sarnen 1866.
  • Kiem, Martin: Muri, in: Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und Cistercienser-Orden 2, 1881, S. 27-31. (Teil des Artikels von Otto Kornmüller: Die Pflege der Musik im Benedictiner-Orden)
  • Kiem, Martin, Tagebuch und Curiosa, Manuskript Stiftsarchiv Gries.
  • Kiem, Martin: Versuch einer urkundlichen Darstellung der ältesten Geschichte der Pfarrei Sarnen bis zu dem Jahre 1300, in: Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Sarnen für das Schuljahr 1865/1866, S. 3-13.

Bibliographie

  • Britschgi, Ignaz, Kultur im Kloster, in: Britschgi, Ignaz (Hg.), Vom inneren Reichtum. Kultur im Kloster - Armes reiches Land Obwalden, Obwaldner Schriften. Kulturpreis Federer-Stiftung 1992, 23-35.
  • Diethelm, Caspar, Obwaldnerische Geschichtsfreunde, in: Obwaldner Volksfreund vom 9. September 1926, Nr. 72, 2-4.
  • Karrer, Peter, Archäologie im Kanton Obwalden – ein forschungsgeschichtlicher Abriss, in: Archäologie in der Urschweiz : Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden 35 (2012) 2, Heft 2, 44-55.
  • Meier, Sigisbert: P. Martin Kiem. Subprior und em. Dekan des Stiftes Muri-Gries, in: Jahresbericht über die kantonale Lehranstalt zu Sarnen für das Jahr 1902/03, S. 35-38. (Bibliographie von P. Martin auf S. 37/38)
  • Omlin, Ephrem, Die Geistlichen Obwaldens vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Sarnen 1984, 360.
  • Parteli, Othmar, Die Benediktiner und die tirolische Geisteswissenschaft im 19. Jahrhundert, in: Der Schlern 54 (1980) 8, 363-383.
  • Rast, Adelhelm, Kiem, P. Martin (Matthias), in: Biographisches Lexikon der Historischen Gesellschaft des Aargaus 1803-1957, in: Argovia Jahreszeitschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargaus, Band 68/69, Aarau 1958, 452-453.
  • Professbuch: Nr. 646.

Einzelnachweise

  1. Scherrer, Emmanuel: P. Martin Kiem O.S.B. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, [Sarnen 1929], S. 3.
  2. ibidem.
  3. ibidem, S. 2f.
  4. Unterlagen Professbuch P. Adelhelm Rast und Abt Dominikus Bucher, Zettelkatalog P. Adelhelm Rast im StiAMG Sarnen sowie digitalisierte und erweiterte Ausgabe des Professbuchs von P. Vinzenz Gasser im StiAMG Gries (Transkript P. Plazidus Hungerbühler).
  5. Britschgi, Ignaz, Kultur im Kloster, in: Britschgi, Ignaz (Hg.), Vom inneren Reichtum. Kultur im Kloster - Armes reiches Land Obwalden, Obwaldner Schriften. Kulturpreis Federer-Stiftung 1992, 31-32.
  6. Scherrer, Emmanuel: P. Martin Kiem O.S.B. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, [Sarnen 1929], S. 4f.
  7. Trafojer, Ambros, Das Kloster Gries, Bozen 1982 (2. Auflage), 120.
  8. ibidem.
  9. Unterlagen Professbuch P. Adelhelm Rast und Abt Dominikus Bucher im StiAMG Sarnen.
  10. Scherrer, Emmanuel: P. Martin Kiem O.S.B. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, [Sarnen 1929], S. 4.
  11. Unterlagen Professbuch P. Adelhelm Rast und Abt Dominikus Bucher im StiAMG Sarnen.
  12. ibidem.
  13. ibidem.


Vorgänger Amt Nachfolger
Bonaventura Foffa Dekan
1881–1894
Ambrosius Steinegger
Alfons Maria Augner Subprior
1897–1903
Vinzenz Gasser