Rom, Sant'Anselmo

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Institution

Das Benediktinerkolleg Sant'Anselmo geht auf einen Anstoss von Papst Leo XIII. zurück. Er wollte, dass die Benediktiner die Tradition der kassinesischen Kongregation wieder aufnähmen und deren gleichnamiges Institut, das vor Jahrzehnten seinen Betrieb eingestellt hatte, als Gesamtorden neu errichten würden. Papst Leo XIII. erwartete davon eine Renaissance des kirchlich-kulturellen Wirkens der Benediktiner in der Weltkirche. Der Einfluss der Benediktiner sollte sich zum Besten der Kirche wieder ausdehnen. Dazu sei aber ein einheitliches Verständnis und Wirken des Ordens notwendig, wozu Sant'Anselmo beitragen sollte.[1] Die rechtliche Neugründung verstand sich daher in der Folge stets als Rechtsnachfolgerin des vormaligen Kongregationsinstitutes. Ihm zugeordnet ist das Pontificio Ateneo Sant’Anselmo, die internationale Hochschule des Benediktinerordens. Der Lehrbetrieb wurde 1888 aufgenommen. Heute werden Lehrgänge in der Philosophie und Theologie angeboten. Zudem besteht auch in Spezialgebieten wie in der Liturgik und in der monastischen Spiritualität die Möglichkeit, höhere akademische Grade zu erreichen.

Sant'Anselmo war und ist bis heute auf die Unterstützung durch die einzelnen Kongregationen und Klöster angewiesen. Allerdings liess sich schon zu Beginn die Suche nach finanziellen Mitteln und Professeren schwierig an. Die Schweizer Benediktinerkongregation teilte jedenfalls durch ihren Abtpräses, Fürstabt Basilius Oberholzer [2] von Einsiedeln, mit, dass wenigstens derzeit nicht in der Lage sei, Sant'Anselmo mit geeigneten Leuten oder mit Geld zu unterstützen. Die Schweizer Benediktiner setzten zu jener Zeit hauptsächlich auf ihre Hausschulen, so auch das Kloster Muri-Gries. Gleichwohl stellte das Kloster Einsiedeln für die Studienjahre 1888/89 und 1889/90 P. Paul Schindler[3] als Professor für die Moraltheologie zur Verfügung. Das Kloster kam 1902 durch P. Athanasius Staub[4], Professor in Sant'Anselmo von 1895 bis 1902, auch in den Genuss der dritten Ehrendoktorwürde, die Sant'Anselmo verlieh. P. Athanasius Staub wurde 1925 durch den Äbtekongress auf Anregung von Abt Alfons Maria Augner als Senior spiritualis (Klerikerpräfekt) und Rektor berufen. Daneben lehrte er wieder die Sakramenten- und Pastoraltheologie.[5]

Das Kloster Muri-Gries tritt in der Anfangsphase nicht in Erscheinung. Als erster Konventuale kommt 1905 P. Hugo Huwyler für das Studium des Kirchenrechtes nach Sant'Anselmo, welches er mit einem Doktorat abschliesst. Ihm folgten im 20. Jahrhundert noch 12 weitere Mitbrüder, wovon drei spätere Äbte. Diese Entwicklung ist im Kontext des persönlichen Engagements der beiden Murianer Äbte Bernard Kälin und Benno Malfèr für Sant'Anselmo zu sehen. Abt Bernard Kälin war von 1947 bis 1959 Abtprimas. Als vormaliger Rektor an der Kantonsschule Sarnen war er mit vielen bildungspolitischen und pädagogischen Fragestellungen vertraut. In seiner Amtszeit errichtete er mit dem Rektor und späteren Kardinal Augustin Mayer 1950 das Institutum liturgicum und 1952 das Studiorum Monasticorum Institutum.[6] Bei seinem Rücktritt 1959 durfte er auch eine eigentliche Blütezeit (Professoren, Studentenzahlen usw.) von San Anselmo zurückblicken, musste aber gegen Ende seiner Amtszeit auch Kritik einstecken wegen der fehlenden Trennung in der Leitung des Kolleges und der Hochschule sowie der einschränkenden Lehr- und Hausordnung, die zeitbedingten Erneuerungen verschlossen blieben.[7] Diese Gründe dürften dazu beigetragen haben, dass Abtprimas Bernard Kälin 1959 in seinem Amt nicht wieder bestätigt wurde und an seiner Stelle der Abt von Einsiedeln und spätere Kardinal Benno Gut zum Zuge kam. Er war bereits 1947 gewählt, aber von Papst Pius XII. nicht bestätigt worden, Dieses überraschende Ergebnis veranlasste Abt Pius Engelbert der Abtei Gerleve zu folgender Bemerkung: "Vielleicht wäre es St. Anselmo besser bekommen, wenn Gut bereits 1947 statt des pedantischen und übervorsichtigen Kälin Primas geworden wäre."[8]

Abt Benno Malfèr war mit Sant'Anselm als Student, Doktorand und Professor für Moral- und Pastoraltheologie (1981-1991) während vieler Jahre verbunden. Nach seiner Wahl zum Abt hielt er wirkte er weiterhin als Lehrbeauftragter an San Anselmo weiter und engagierte sich für die Weiterentwicklung von Hochschule und Kolleg. Dabei leistete er auch grosszügige finanzielle Hilfen, beispielsweise bei Gebäuderenovationen. Da in seiner Abtszeit Nachwuchs weitestgehend ausblieb, studierten bisher im 21. Jahrhundert keine Konventualen von Muri-Gries in Sant'Anselmo.

Für die Finanzierung von Sant'Anselmo gewann in den letzten Jahren die 2007 gegründete und in Luzern domizilierte Stiftung "Foundation Benedict" an grosser Bedeutung. Sie führte ihre Jahresversammlung 2011 im Kloster Muri und 2018 im Priorat Sarnen durch.

Die Theologische Schule des Benediktinerklosters Einsiedeln, die 1620 begründet und 2013 mangels Studenten sistiert wurde, ist seit 1996 der Theoloidchen Hochschule Sant'Anselmo angegliedert, um auch anerkannte Abschlüsse anbieten zu können.[9]

Murianer Konventuale

Studium

Arbeit

Rechtsgrundlagen

  • Statuta Pontificii Athenaei Sancti Anselmi de urbe, Rom 1989.
  • Ordinamenti e Norme del Pontificio Ateneo S. Anselmo, Rom 1990.

Bibliographie

  • Eckerstorfer, Bernhard, Unsichere Zeiten in Sant'Anselmo,in: Für Einander. Mitteilungsblatt der Österreichischen Benediktinerkongregation (2020) 1, 1-5.
  • Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988.
  • Rudolf Henggeler: Professbuch der fürstlichen Benediktinerabtei U. L. F. zu Einsiedeln (= Monasticon-Benedictinum Helvetiae. Band III). Zug 1933.
  • Hötzel, Meinrad, Lebensraum für Theologen im Kloser. Vierhundert Jahre Theologische Schule Einsiedeln, in: Salve. Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr 12 (2020) 5, 4-9.
  • Kosch, Daniel, Die Benediktinermönche: In ihrem Kloster verwurzelt - weltweit vernetzt, in: Schweizerische Kirchenzeitung. Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge 183 (2015) 29-30, 394.
  • Muff, Markus, Muri und seine Beziehungen zu Sant'Anselmo. Lokal verwurzelt - global vernetzt, in: Die Posaune 15 (2009), 6.

Einzelnachweise

  1. Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988, 15-23.
  2. Rudolf Henggeler: Professbuch der fürstlichen Benediktinerabtei U. L. F. zu Einsiedeln (= Monasticon-Benedictinum Helvetiae. Band III). Zug 1933, S. 209–214.
  3. Rudolf Henggeler: Professbuch der fürstlichen Benediktinerabtei U. L. F. zu Einsiedeln (= Monasticon-Benedictinum Helvetiae. Band III). Zug 1933, S. 570–571.
  4. Rudolf Henggeler: Professbuch der fürstlichen Benediktinerabtei U. L. F. zu Einsiedeln (= Monasticon-Benedictinum Helvetiae. Band III). Zug 1933, S. 604–605.
  5. Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988, 106-108.
  6. Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988, 183-184.
  7. Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988, 200-203.
  8. Engelbert, Pius, Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Studia Anselmiana 98, Roma 1988, 204.
  9. Hötzel, Meinrad, Lebensraum für Theologen im Kloser. Vierhundert Jahre Theologische Schule Einsiedeln, in: Salve. Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr 12 (2020) 5, 9.